Trude Teige, Als Großmutter im Regen tanzte
aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob, erschienen im S. Fischer Verlag
Trude Teige ist eine bekannte Journalistin in Norwegen. Sie recherchierte über norwegische Frauen, die deutsche Soldaten heirateten und mit ihnen nach Deutschland gingen, und erzählt von einem Teil der norwegischen Geschichte, über den erstaunlich wenig bekannt ist. Die Norwegerinnen gaben in ihrer Heimat alles auf, wurden teilweise von ihren Familien verstoßen, verloren ihre Staatsbürgerschaft. Trude Teige hat das Schicksal eines sogenannten Deutschenmädchens in ihrem Roman spannend und emotional berührend erzählt. Ihr Roman spielt auf zwei Zeitebenen: Im Heute treffen wir Juni, eine junge Frau, die für eine Auszeit auf die Insel ihrer Kindheit flüchtet, wo sie behütet von ihren Großeltern aufgewachsen ist, da ihre Mutter sich wenig Zeit für sie genommen hat. Beide Großeltern sind inzwisc
hen verstorben und auch ihre Mutter lebt nicht mehr. Wer ihr Vater war hat Juni nie erfahren, ihre Mutter hat nicht über ihn gesprochen. Beim Aufräumen findet Juni ein Foto ihrer Großmutter Thekla mit einem deutschen Soldaten. Wer ist dieser Mann? Es gibt Dokumente, die Juni nicht zuordnen kann. Es gibt keine Angehörigen mehr, die sie fragen könnte. Sie beginnt Nachforschungen anzustellen und entdeckt Ungeheuerliches.
In der zweiten Zeitebene taucht der Leser in die Geschichte der Großmutter Tekla ein, die als junges Mädchen am Ende des Zweiten Weltkrieges ihre Heimat und ihre Familie in Norwegen verließ, um mit dem deutschen Soldaten Otto nach Demmin zu gehen und dort bei seiner Familie zu leben. Es war ein beschwerlicher Weg und endlich angekommen, müssen sie Furchtbares entdecken.Der Roman „Als Großmutter im Regen tanzte“ erklomm für viele Wochen – verdient, wie ich finde – die Bestsellerlisten. Mich hat das Schicksal der Frauen tief berührt, ihre Stärke und Kraft in dieser schwierigen Zeit und der Einblick in die Geschichte der Deutschenmädchen war für mich neu und sehr interessant.
Petra Rieche [2023]



Das Debut „Aus unseren Feuern“ des Leipziger Autors Domenico Müllensiefen zu besprechen ist eine Herausforderung. Es fiele leicht, den Roman dabei in eine Schublade zum Beispiel mit der Aufschrift „Freundschaftsgeschichte“ oder „Nachwenderoman“ oder „Arbeiterliteratur“ zu stecken, würde diesem großartigen Buch aber keinesfalls gerecht.
Das Leben ist voller Herausforderungen. Einen Garten zu bestellen und den Umgang mit Bäumen, Blumen und Gemüse zu erlernen ist eine besonders reizvolle Aufgabe, bietet aber auch einige Überraschungen und Tücken. Wie schön, wenn man für die komplizierten Situationen einen kompetenten Ratgeber an seiner Seite weiß.
März 1920: Kriminalinspektor Paul Stainer hat in seinem Leben als Kriminalist und als Soldat an der Front schon viel gesehen, doch der Anblick des Tatorts in einem Mietshaus im Leipziger Stadtteil Plagwitz lässt ihn erschaudern. Der Mörder muss mit kaltblütiger Grausamkeit vorgegangen und von enormem Hass übermannt worden sein. Wenige Tage später wird ein weiterer Toter gefunden und der Kriminalinspektor erkennt schnell die Parallelen zum Plagwitzer Mord: Die Opfer waren Männer mittleren Alters, die allein lebten, und die in der Fliegerstaffel Manfred von Richthofens im Ersten Weltkrieg gedient hatten. Stainer und sein Assistent beginnen gezielt zu ermitteln, doch die Ereignisse überschlagen sich in mehrfacher Hinsicht: Der Mörder hat noch weitere Namen auf seiner Todesliste. Stainer erkennt bald, dass er einen Täter verfolgt, der in seiner Vergangenheit selbst zum Opfer wurde. Nicht nur der Mörder, auch Stainer selbst, seine Kollegen und viele weitere Figuren dieses gelungenen Romans zeigen uns Lesern, was Kriege in den Seelen der Menschen anrichten, die sie durchmachen müssen.
Doris Dörrie hat uns immer mit ihren menschenverbindenden, weltoffenen Büchern und Filmen bestens unterhalten. Reisen ist ihr immer als Chance erschienen, über den Tellerrand hinaus zu blicken. In ihrem neuen Buch „Die Heldin reist“ erzählt sie uns von drei Reisen, die sie 2019 machte: nach Marokko, Japan und San Francisco. „Die Welt erschein mir ein aufregender, aber prinzipiell freundlicher Ort zu sein, den ich nur zu durchwandern hätte, um zu lernen und zu wachsen.“